Kamerun

Länderbeschreibung:
Die Republik Kamerun befindet sich zwischen dem englischsprachigen Westafrika und dem französischsprachigen Zentralafrika und ist circa fünf Mal so groß wie Österreich. Die vielfältige Landschaft Kameruns ist geprägt von Regenwäldern Savannen, Küsten und Bergen. Die 25 Millionen KamerunerInnen sind kulturell von vielen Sprachen, Religionen und einer vielschichtigen Geschichte geprägt.

Bis 1918 war Kamerun eine deutsche Kolonie. Nach dem ersten Weltkrieg wurde der Westen dem britischen Kolonialreich, der östliche Teil Kameruns dem französischen Kolonialreich zugeordnet. Im Rahmen des Entkolonialisierungsprozesses wurde Kamerun am 1.10. 1961 unabhängig. Im Rahmen einer Volksabstimmung wurde entschieden, dass das heutige Biafra (damals Teil des englischen Kameruns) Nigeria anschloss. Der östliche Teil schloss sich Kamerun an und es kam zur Gründung der föderalen Republik Kameruns. Im englischsprachigen Kamerun blieb weiterhin britischen Systeme und Gepflogenheiten aufrecht, ebenso Englisch als Amtssprache. Im östlichen Teil nach dem gleichen System Französisch.

Seit 2016 ist es vor allem der Konflikt im anglophonen Teil Kameruns, der zu Instabilität im Land führt. Der Präsident veranlasste, dass im gesamten Land nur noch das französische System (Justiz, Bildung, Sprache) zur Anwendung kommen soll. Daraufhin kam es unter der anglophonen Bevölkerung im Südwesten des Landes zu Unruhen. Es entwickelte sich ein gewaltsamer Konflikt, der bislang ca. 2000 Menschen das Leben gekostet hat und 700.000 Menschen zur Flucht zwang. Darüber hinaus terrorisiert die islamische Miliz „Boko Haram“ Menschen im Norden des Landes.  

Unser Kontext im Land:
Frieden, Gleichberechtigung und Gesundheit sind die Ziele unserer Arbeit in Kamerun. Unsere Ansprechpartner vor Ort gestalten Projekte, die Friedensförderung für alle Altersgruppen sowie Gender-Equality sicherstellen. Wir fördern die Arbeit in Krankenhäusern und Kirchengemeinden, um in Zeiten der innenpolitisch instabilen Lage die Grundrechte der Menschen zu wahren.

Geförderte Projekte:

Friedensarbeit

Seit 2016 herrschen in Kamerun bürgerkriegsähnliche Zustände. Persönliche Erfahrungen mit Gewalt und kämpferischen Auseinandersetzungen sind für viele KamerunerInnen Teil des Lebens geworden. Diese Erlebnisse prägen Menschen und beeinflussen ihr zwischenmenschliches Handeln Im Rahmen des Projektes fördern wir die Ausbildung von MultiplikatorInnen im Bereich der Friedensarbeit. Ihre Hauptaufgabe ist es den Gedanken der Zivilgesellschaft und menschenwürdigen Gestaltung in der Gesellschaft Kameruns wieder zu verankern. Dabei liegt ein Hauptaugenmerk auf der Jugendarbeit. Junge Menschen sollen sehen, wie sie durch ihr Reden und Handeln zu einem friedvolleren Klima in der Gesellschaft beitragen können. Sprachsensibilisierung sowie Empathieförderung sind daher wichtige Arbeitsbereiche von Pfarrern und Pfarrerinnen in Kamerun.

Gesundheitsförderung in Manyemen (West-Kamerun)

Seit vielen Jahren ist das Spital der Presbyterian Church of Cameroon (PCC) im ländlichen Gebiet Manyemen ein etablierter und von der Bevölkerung zutiefst geschätzter Anker der Gesundheitsversorgung. Diese ist in dem verarmten und unterentwickelten Teil des Landes vor viele Herausforderungen gestellt. Aus Gründen der Kosten und der fehlenden Infrastruktur müssen das Gesundheits- sowie das Technikteam mit sehr einfachen Mitteln arbeiten. Doch oft sind es die einfachsten Techniken, die bereits viel bewirken können.

Ein Schwerpunkt der Spitalsarbeit liegt derzeit auf dem Bereich Frauengesundheit. Sichere Entbindungen, gynäkologische Untersuchungen sowie Familienplanung und Schutz vor Geschlechtskrankheiten sind in der konservativ geprägten Gesellschaft wenig beachtet. Neben dem Erhalt der Station für Frauenheilkunde und Geburtenhilfe ist auch die Erwachsenenbildung ein wichtiger Teil der Frauenarbeit im Krankenhaus Manyemen. Sexuelle und medizinische Aufklärung wird mit Workshops für Multiplikatorinnen und Multiplikatoren im ganzen Gebiet vorangetrieben. Dabei ist auch das Brechen von gesellschaftlichen Tabus wie saver sex Ziel der Bildungsarbeit.

Einen ebenso wichtigen Arbeitsbereich stellt die Aids Arbeit im Krankenhaus dar. Noch immer gibt es viele Vorurteile, Fehlinformationen und Tabus rund um das Thema HIV/Aids. Infizierte Menschen nehmen oft keine Medikamente, da diese trotz der geringen Kosten zu teuer sind, sie an deren Wirkung zweifeln oder einfach die Wichtigkeit der regelmäßigen Einnahme unterschätzen. Eine betreute Medikamentenausgabe und regelmäßige ärztliche Kontrollen sowie viel Aufklärung ist das Angebot des Spitals an die Bevölkerung Manyemens.

Die Sterilität des einzigen fachgerechten OP-Saals der Umgebung sowie die Wartung von medizinischen Geräten bis hin zum Strom Aggregator und dem Pumpbrunnen sind Aufgaben des Spitals, die nicht zu unterschätzen sind. Aus- und Weiterbildungen von Fachpersonal vor Ort durch Lehrgänge von Internationalen Fachleuten ist daher ein wichtiger Träger des gesamten Spitals.

Die Leprastation bildet den ältesten Teil des ursprünglichen Missionsspitals, aufgebaut mit unserer tatkräftigen Unterstützung durch ökumenische MitarbeiterInnen und Spenden.